Amazon Kindle: Software und Interface

Vor kurzer einiger sehr langer Zeit widmete ich mich schon einmal der Hardware des Amazon Kindle. Dieses Mal soll es um ein mindestens ebenso wichtiges Thema gehen: Der Software, genauer: Der Teil von Software, der auf dem Gerät läuft (das ganze Ökosystem drumherum (Amazon-Bookstore und meine persönliche Art der Literaturverwaltung, DRM, …) soll einen einen Post bekommen). Das ganze soll auch keine vollständige (und damit langweilige) Beschreibung der kompletten Bedieneroberfläche werden, sondern ein Licht auf die besonderen Höhen und Tiefen werfen.

Weckt man sein Kindle zum ersten Mal aus dem Schlaf, so präsentiert sich eine schlichte Liste von Einträgen, die Bibliothek. Durch die Bibliothek navigiert der Benutzer mit dem Steuerkreuz, einzelne Einträge können mit Druck in die Mitte ausgewählt werden. Gelegentlich legt sich von oben rechts ein abgerundetes Menü über die Anzeige, und erinnert einen daran, dass man einen Computer in der Hand hält. Da die Anzeige aller Titel in einer einzigen Liste auf Dauer unübersichtlich würde gibt es noch Sammlungen von (Audio-)Büchern. Sammlungen sind mit Playlists vergleichbar: Bücher können gleichzeitig in mehreren Listen vorhanden sein.

Sollte die Zielgruppe der typische Nicht-Computernutzer sein, so ist das nicht wirklich gelungen: Denn die Bedienelemente und Workflows sind vielfältig und nur zum Teil offensichtlich. Ein Beispiel: Die Navigation mit dem Steuerkreuz durch Listen ist intuitiv, aber eine Liste kann auf zwei Seiten verteilt sein und der Nutzer muss dann mit der seitlichen Taste „Seite vor“ (beim Lesen eigentlich sehr praktisch) die nächste Seite der Liste anwählen. Anderes Beispiel gefällig? Ist ein Dokument in einer Liste ausgewählt, so lässt es sich mit Druck auf „links“ auf dem Steuerkreuz löschen. Darauf kommt man nur durch Ausprobieren (wenig versierte Nutzer tun das in aller Regel nicht).
Noch obskurer wird es, wenn undokumentierte Tastenkombinationen interessante Dinge tun (wie z.B. Screenshots erstellen, Beispiele siehe hier im Blog). Eine Auflistung solcher Shortcuts bietet diese Seite.

Wenn es um das Lesen von Texten geht, ist wieder alles in Butter: Schriftgröße und und -art lässt sich problemlos einstellen und der Text wird entsprechend neu auf Bildschirmseiten verteilt. Das ganze funktioniert natürlich nicht bei PDF-Dokumenten, da die ein festes Seitenlayout vorgeben. Über die Irrungen und Wirrungen von PDF-Konvertierung ließe sich ein eigenes Kapitel schreiben nur so viel: Jedes PDF, das mehrspaltigen Text, Fußnoten, aufwendige Graphiken oder Tabellen enthält wird nach eine Konvertierung anders aussehen und in vielen Fällen unbenutzbar werden. Was das für das für ein wissenschaftliches Paper heißt kann man sich denken; in vielen Fällen wird man sich mit dem Umschalten auf das Querformat und einen Zoom behelfen.

Was bleibt? Im Grunde nicht viel. Es wäre da noch der als „experimentell“ gekennzeichnete Browser, der überraschend gut funktioniert, wenn da nicht die Beschränkung durch die Trägheit des E-Ink-Displays wäre. Das Kindle ist also eines: Ein Gerät zum Anzeigen von Ebooks (Anmerkung: PDFs sind keine Ebooks). Es gibt einen Haufen Text da draußen, der gelesen werden will. Dafür ist das Kindle ein schönes Gerät, auch deshalb, weil man dann beim Lesen den Rechner ausschalten kann und nicht von Email, RSS und Browser abgelenkt wird.
Derweil verdichten sich die Hinweise auf ein amazon-Tablet so weit, dass man schon nicht mehr von Gerüchten sprechen muss. Damit würde eine weiterer ganz großer Player auf dem Inhaltemarkt auf ein Tablet setzen, mal sehen was das für reine E-Reader bedeutet. Meine Vermutung ist, dass sie aussterben und dass die E-Ink-Displays eine noch kleinere Nische bespielen als zuvor.
Es bleibt spannend.

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