Kurzreview: Spyderco Sharpmaker

Executive Summary: Kostet 100€, macht Messer fast idiotensicher scharf. Wenn das Teil lange überlebt ist es das aber auch wert.

Ich bin weder Messersammler oder besitze besonders „tolle“ Messer: die hochwertigsten Messer die ich so habe dürften ein Swisstool und ein Satz Gebrauchsmesser von Giesser fürs Kochen sein. Gerade meine Kochmesser waren inzwischen sehr stumpf geworden und machten einfach keinen Spaß mehr; das stumpfe Messer auch recht gefährlich sind ist auch kein Geheimnis. Also auf nach der Suche nach einem Messerschärfer.

Die folgenden Klassen lassen sich meiner Meinung nach unterscheiden:

  • Hartmetall-Schärfer (z.B. „Schärfhai“ und Konsorten): die heben relativ Material ab und erzeugen dann eine brauchbare Klinge mit mittlerer Schärfe. Fällt für mich durch weil dann von meinen schönen Messer kostbares Material „verschwendet“ wird und ich habe vor zumindest die schöneren Messer zu vererben.
  • Wetzstahl (+ ggf. Nachschliff durch den Profi): da gibt es verschiedene Varianten die entweder nur den Grat aufrichten oder Material abtragen (damit wären wir wieder bei den Hartmetall-Schärfern): ich traue mir da nicht ganz zu den Schleifwinkel einzuhalten, und für kleinere Messer wie Taschenmesser erscheint mir das ein bisschen unpraktisch. Dafür gibts dann so Diamant-Scheifstäbe die ca. fingerlang sind, bei denen man sich ebenfalls um den Schleifwinkel selbst kümmern muss.
  • Irgendwelche Schleifmaschinen: brauchen Platz und irgendwie habe ich kein gutes Gefühl meine Messer einfach in so einen Schlitz zu stecken ohne zu sehen was da genau passiert: ich habe da lieber mehr Kontrolle
  • Wassersteine für den Handschliff: die brauchen Übung, und darauf habe ich keine Lust. Ist aber sicher eine tolle Sache für Messersammler die Spaß daran haben
  • Lansky-Schärfsystem: war meine Nummer 2 in der Auswahl, aber im pragmatischen Alltagseinsatz („mal eben das eine Messer nachschärfen“) habe ich vermutlich keine Lust dann extra eine Klemme am Tisch festzumachen. Trotzdem ist das Ding sicher eine gute Wahl wenn man eine Klinge neu schleifen will (um z.B. den Winkel zu ändern oder wenn sie absolut stumpf ist). Außerdem gibt es eine gute Auswahl an Schleifsteinen mit verschiedensten Körnungen.

Was es dann letztendlich geworde ist: der Spyderco TriAngle Sharpmaker, mit knapp 100€ ziemlich teuer (für 50€ bekommt man schon ein Lansky-Set mit ordentlich Zubehör). Meine Erwartung war also ein Schärfsystem das unkompliziert und schnell Klingen scharf macht ohne dass ich mir die Messer auf Dauer ruiniere.

Das Gerät

Eine Plastikbasis mit Löchern in die die Schleifstäbe V-förmig reingestellt werden. Es gitb eine Lochpaar für 40° Schleifwinel und eines für 30° Schleifwinkel. Es kommen zwei Sätze von dreieckigen Schleifstäben mit: braune (mittlere Körnung) und weiß (feine Körnung). Zwei Messingstäbe als Handschutz gibt es auch noch dabei, das ganze lässt sich in der Basis verstauen. Mitgeliefert werden außerdem ein Anleitungs-Booklet und eine Anleitungs-DVD.

Anwendung

Eine genaue Anleitung spare ich mir, dieses Video bietet einen ganz guten Überblick. Meine Empfehlung: einfach ein bisschen zum Stichwort auf Youtube stöbern (es wird eine Anleitungs-DVD mitgeliefert aber da fehlt mir das Laufwerk dazu). Dann lernt z.B. den Trick die Schneidkante der Klinge mit Edding einzufärben1 und damit zu prüfen ob die eigene Vermutung des Schleifwinkels stimmt: 40° passt nämlich in den meisten Fällen, ich wurde aber bei einem meiner Messer überrascht und musste dann die Klinge eben nicht ganz senkrecht durch die Schleifstäbe führen: das braucht dann mehr Konzentration, ist mir aber schon beim ersten Versuch ganz gut gelungen.

Meine Erfahrungen: Das Schärfen geht super fix. Mein Opinel-Taschenmesser ist gleich beim ersten Versuch super scharf geworden. Lange Küchenmesser brauchen ein bisschen Konzentration damit man das richtige Tempo beim durchziehen findet und man nicht schon in der Mitte der Klinge unten am Schleifstab angekommen ist. Eine Klinge mit einem Schleifwinkel >40° bekommt man als Anfänger auch hin, wenn man den oben beschriebenen Edding-Trick anwendet. Ein Brotmesser mit (grobem) Wellenschliff konnte ich auch super nachschärfen, vielleicht probiere ich mich bei Bedarf auch mal an meinen Brotzeitmesser mit einem feineren Wellenschliff aus.

Fazit

Rein vom Aufbau und der Anwendung her ist der Sharpmaker genial: selbst als Anfänger bekomme ich damit meine Klingen ziemlich schnell zuverlässig scharf. Ob der hohe Preis allerdings gerechtfertigt ist kann erst die Zeit zeigen: die Schleifstäbe nutzen sich prinzipiell nicht ab, solange mir also keiner runterfällt und zerbricht ist die Investition spätestens in der nächsten Generation wieder drin.

  1. die Klinge lässt sich dann ohne Probleme mit Küchentuch und Brennspiritus reinigen []

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